Tom und Luisa

Es war an einem Dienstag. Es regnete, wie meistens im April. Das Donnern war nicht zum fürchten, höchstens für Luisa, sagt Tom. Es war Montag, aber sonst hast Du recht, sagt jetzt Luisa zu Tom. Luisa ist Toms Mutter und müßte es eigentlich wissen. Jedes Jahr an seinem Geburtstag, seit er sechzehn ist, kommen sie auf dieses Thema zu sprechen.

Es begann damit, daß Tom eines Tages feststellte, daß auch ihm manche Dinge gelingen. Wenn das einmal so ist, ist es garantiert Dienstag. Tom ist Luisas Sohn und müßte es eigentlich wissen, denn er schreibt sie auf seit er dreizehn ist. Die Dinge die ihm gelingen. In ein Buch das er geschenkt bekommen hat zu einem Geburtstag – seinem dreizehnten. Er hat noch ein anderes Buch, doch da schreibt er eine Geschichte hinein mit der er vor kurzem begonnen hat. Die Idee dazu kam Tom natürlich an einem Dienstag, daß steht jetzt auch in seinem Buch. In dem anderen natürlich.

Heute ist Tom 21 und er weiß, daß die meisten Menschen ihn für zurückgeblieben halten. „Ich finde die Welt verändert sich schon schnell genug für mich“ sagt er manchmal zu mir, wenn wir auf dieses Thema zu sprechen kommen. „Ein Wort, ein Gedanke, ein Satz – ist oft so viel – da muß alles andere erst mal wieder eine Weile warten“. So ist Tom und ich mag ihn. In vielem hat er, wie ich finde, recht. Doch dazu muß man sich die Zeit nehmen, auf die wenigen Dinge zu hören, die er zu sagen hat. Seine Mutter nimmt sich die Zeit.

Eines Tages stand Tom einfach neben mir. Ich schaute gerade abseits der Straße einen Regenbogen an und stand dabei mitten in einer Wiese. Das schien ihm zu gefallen. Es regnete noch ganz leicht, wie meistens im April. Das Donnern war nicht mehr zum fürchten. Es war an einem Dienstag. Einer jener besonderen Dienstage.
Als der Regenbogen seine Vorstellung beendet hatte, schauten wir uns an und lachten. Er sagte: „Ich heiße Tom“. „Ich habe heute Geburtstag und wenn Du möchtest, können wir Freunde sein“.  – So haben wir uns kennen gelernt. Der Regenbogen hat mir damals einen Wunsch erfüllt. Ich sagte deshalb nur: „Danke“. Mein Name ist Kurt. Mehr haben wir beide an diesem Tag gar nicht gesprochen. 
Es wäre uns beiden zu viel geworden. Mehr gab es auch nicht zu sagen. Diese 
Worte waren – so viel – da mußte alles andere erst mal wieder eine Weile warten.

- Ende -

Kurzgeschichte von Bernd Suriel Casel 09.02.2000

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